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5. TEN.-Convention am 15.02.2018

E-Health zwischen Utopie und Dystopie: was bedeuten Google & Co. für die Rolle von Ärzten und Patienten?

Anlässlich der 5. TEN.-Convention trafen sich am Donnerstagabend Entscheider der Gesundheitsbranche in Heidelberg, um große Zukunftsfragen von E-Health zu erörtern.

„Komme all Deinen Pflichten ruhig und geschickt nach und verbirg die meisten Erkenntnisse vor dem Patienten, während du dich um ihn kümmerst.“ Dieser Lehrsatz von Hippokrates, gerichtet an die Ärzte seiner Zeit, hallt bis heute nach: Welches Wissen über seine Erkrankung sollte die Patientin oder der Patient haben? Welche Entscheidungen kann und darf er oder sie selbst treffen? Bei der 5. Convention von TEN. The E-Health-Network, die wie immer im Kammermusiksaal des Kongresshauses Stadthalle Heidelberg stattfand, hörten die Teilnehmer den Kontrapunkt zu diesem hippokratischen Diktum von Frau Prof. Dr. med. Woopen, Vorsitzende des Ethikrates der Europäischen Kommission und geschäftsführende Direktorin von ceres an der Universität zu Köln. Mit ihrem Vortrag zur „Digitalen Souveränität des Patienten“ eröffnete sie den TEN.-Netzwerkern ihre Perspektive auf den „Empowered Patient“, der immer stärker zum Akteur seiner eigenen Gesundheit wird. Dieser verfüge über seine eigenen Gesundheitsdaten, habe Zugang zu qualitätsgestützten Gesundheitsinformationen und nutze beispielsweise Self-Monitoring-Geräte und Apps, die eine ärztliche Betreuung teilweise ersetzen, vor allem aber unterstützen könnten. All dies bedeute mehr Selbstbestimmung, höhere Patientenpartizipation und eine bessere Qualität der Gesundheitsversorgung. Hierfür seien die technische Infrastruktur, eine Offensive für digitale Kompetenz aller Beteiligten sowie Vertrauen durch Qualitätssicherung und Datenschutz eine wesentliche Voraussetzung: „Wir brauchen auf lange Sicht prozessorientiertere Datenschutzbestimmungen. Wir möchten von den Daten den Nutzen haben und Fortschritt erzielen, auf der anderen Seite möchten wir die Privatsphäre des Patienten und unser solidarisches Gesundheitssystem schützen.“

 

Neben den Patienten gibt es nämlich auch andere Akteure, die beim Thema Gesundheit aktiver werden wollen: Sowohl Apple, als auch Google, als auch Amazon haben in den letzten 4 Wochen umfangreiche Pläne zum Ausbau ihrer Digital Health Aktivitäten bekannt gegeben. Dem „Economist“ zufolge, der dies zu seiner Titelstory machte, werden auch Facebook und Microsoft folgen. Wie sind diese Pläne zu bewerten?

Marc Elsberg hat in seinen Bestsellern auch die möglichen Schattenseiten immer größeren Wissens und der Konzentration solchen Wissens in fremden Händen beschrieben. Er stellte unter dem Titel seines Buches „Zero“ die Fortschritte im Feld E-Health in den größeren gesellschaftlichen Kontext. „Je nachdem, aus welcher Sicht man es beschreibt, kann E-Health eine Utopie oder eine Dystopie bedeuten.“ Große Konzerne sammelten Informationen über Patienten genauso wie über Kunden in anderen Wirtschaftsbereichen. „Es ist wichtig, starke staatliche Strukturen zu schaffen, welche die Bürger auch vor Missbrauch der neuen Technologien schützen können.“

Die Teilnehmer der Convention diskutierten engagiert über die Rollen von Arzt und Patient in dieser digitalen Zukunft. Eine klare Mehrheit der Teilnehmer (71%) sprach sich für die Selbstinformation der Patienten aus, obgleich diese Frage im Plenum auch kontrovers diskutiert wurde. Auf die Frage, wovor die Patientinnen und Patienten vor allem geschützt werden müssten, sahen nur 15% die Notwendigkeit, sie vor sich selbst, bzw. ihren eigenen gesundheitsschädigenden Handlungen zu schützen. Etwa 40% vermuteten jeweils in einer Überwachung und Verwertung ihrer Daten und Aktivitäten durch Dritte bzw. einer Entmündigung durch wohlmeinende Fürsorge die größere Gefahr für die Patienten. Die wichtigste Kompetenz des Arztes allerdings sei nicht etwa die Flut an Daten aus verschiedenen Quellen zu managen (18%) oder die gestiegene Zahl an Patienten zu bewältigen (10%), sondern gesundheitsförderndes Verhalten der Patienten zu bewirken (73%). Dies alles ergab die TEN.-TED Befragung, die wie jedes Mal live während der Veranstaltung im Plenum vollzogen wurde.

Anschließend nutzten die Teilnehmer die Gelegenheit zum Netzwerken und trafen auf medizinische Praktiker und Wissenschaftler, Akteure aus der pharmazeutischen Industrie, der Selbstverwaltung, der IT-Wirtschaft, aus dem Verlagswesen und auch Start-up-Unternehmer aus der Region Rhein-Neckar und darüber hinaus. Prof. Dr. med. Daniel Gotthardt, Aufsichtsratsvorsitzender der Gotthardt Healthgroup AG, war begeistert: „Die hochkarätigen TEN.-Netzwerker haben eine sehr bereichernde Diskussion geführt und auch uns als GHG wertvolle Impulse geliefert.“

Die Gotthardt Healthgroup AG gibt mit der TEN.-Convention Entscheidern der Gesundheits- und Pharmabranche eine Plattform, aktuelle Entwicklungen zu diskutieren und Projekte zu initiieren. Die nächste Veranstaltung findet am 03. Mai 2018 statt. U.a. blickt TEN. mit Prof. Dr. Jochen Maas auf das Zukunftsthema der klinischen Forschung schlechthin: Personalisierte Medizin. Prof. Maas, Leiter des deutschen Forschungs- und Entwicklungsstandorts von Sanofi-Aventis, wird die wertvolle Sicht eines Praktikers zu diesem Thema beisteuern. Weitere Informationen finden sich unter www.twitter.com/TEN_Event und auf https://www.ten-event.de/.